Der Anfang - Baby

Der Anfang

So, jetzt ist es wirk­lich pas­siert. Ich bin schwan­ger. Das fällt mir irgend­wie noch ziem­lich schwer zu glau­ben. Irgend­wie noch ziem­lich weit weg. Wobei alle Anzei­chen ziem­lich auf Schwan­ger­schaft deu­ten. Aber man kennt auch kaum eine Schwan­ge­re, die bereits im frü­hen Sta­di­um das In-ande­ren-Umstän­den-sein preis­gibt. Jetzt ver­ste­he ich auch was, ande­re Umstän­de bedeu­tet. Man ist auf ein­mal jemand anders. Und ich gehö­re noch zu den weni­gen Glück­li­chen, die nicht jeden Mor­gen den Tag mit dem Kopf in der Schüs­sel begrü­ßen.

Aber wo fängt man am Bes­ten an? Cars­ten woll­te unbe­dingt, dass das Baby im Som­mer gebo­ren wird, weil er der Mei­nung ist, es ist viel schö­ner im Som­mer Geburts­tag zu haben, da das Wet­ter immer mit­spielt. Ähm, wir erin­nern uns an die letz­ten Som­mer, das mit dem Wet­ter ja, es hieß schon damals bei Rudi Car­rell Wann wirds mal wie­der rich­tig Som­mer. Aber was solls ich fand die Idee auch schön. Eigent­lich allei­ne schon die Idee ein Baby zu haben, fand ich schön, über den Geburts­tags­ter­min habe ich mir nie groß Gedan­ken gemacht. Gesagt getan, also arbei­te­ten wir auf den Som­mer­ter­min hin. Nach den ers­ten bei­den Fehl­ver­su­chen, blieb uns nur noch ein Ter­min übrig, bis die unge­müt­li­chen Herbst­mo­na­te immer näher ran rück­ten. Aus­ge­rech­net jetzt, wo mir zwei Zäh­ne gezo­gen wur­den, und so kurz vor der Weih­nacht­zeit, wo man aus dem Fei­ern nicht mehr raus kommt. Und aus­ge­rech­net jetzt klappt es. Als ich dann den posi­ti­ven Schwan­ger­schafts­test in der, vor Freu­de, zit­tern­den Hand hielt, fie­len mir mit Ent­set­zen die wochen­lan­ge Schmerz­mit­tel­be­täu­bung ein, gekrönt mit einem phä­no­me­na­lem Besäuf­nis in einer völ­lig ver­rauch­ten Spe­lun­ke in Nie­der­sach­sen. Zumin­dest hat das Baby schon mal einen Smoot­hen Start.

Und wie geht man mit einer so wun­der­vol­len Nach­richt um, die man eigent­lich nie­man­dem sagen darf? Kei­ne Ahnung! Star­tet einen gehei­men Blog, wo man das alles rein schreibt. Aber was viel schlim­mer ist, ist nicht dass man es nie­man­dem sagen kann, son­dern dass das was mit einem pas­siert, mit nie­man­dem tei­len kann. Und es pas­siert ver­dammt viel. Wie bereits erwähnt, ich lei­de nicht unter Mor­gen­übel­keit, aber dafür einer Nach­mit­tags­übel­keit, manch­mal ist es auch eine Ganz­tags­übel­keit. Ich kann nicht lan­ge ste­hen, ohne dass mir total schwin­de­lig wird. Auf ein­mal stinkt mir alles. Mei­ne Brüs­te sind so groß gewor­den, dass ich manch­mal das Gefühl habe, mei­ne gan­ze Schwan­ger­schaft spielt sich nur da ab. Und die Hor­mo­ne erst, ach die Hor­mo­ne, was haben sie mir bereits für spa­ßi­ge Stun­den berei­tet. Das ers­te Mal habe ich es gemerkt, dass ich sehr schnell sehr gereizt bin, und von einer Sekun­de auf die ande­re zum Hulk mutie­re. Hier ein Bei­spiel:

Ich hat­te ewig lan­ge, Lust auf einen Humus­ba­gel von Woy­ton, und als wir dann end­lich da sind, bestellt eine jun­ge Frau, spä­ter ver­fluch­te Bitch genannt, so einen Bagel. Als ich dann dran kom­me sagt mir der net­te Kas­sie­rer, spä­ter Dum­me Drecks­sau genannt, dass die Bagels jetzt alle sind, aber ich einen Fala­fel-Wrap haben könn­te. WAS FÄLLT IHM EIN, WAS SOll ICH DAMIT!!! ER WIRD WOHL VON MIR NICHT ERWARTEN, DASS ICH ES TATSÄCHLICH ESSE!!!!! Vor lau­ter Wut bleibt es nur bei dem Cap­puc­ci­no Und ich ging hung­rig aus dem Laden. Rück­wir­kend betrach­tet, bereue ich nichts, mei­ne Reak­ti­on war abso­lut ver­ständ­lich, und der Situa­ti­on ange­mes­sen.

Aber man wirk­lich auch irgend­wie sen­ti­men­tal. Hier ein Bei­spiel:

Letz­tens schau­ten wir La la Land. Ein wirk­lich etwas kit­schi­ger Film. Ich gucke die­sen Film und den­ke nur, Gott was für ein Kitsch, alles so typisch, ja und am Ende, ach war doch klar sowas fin­den doch nur Frau­en toll, die… Und da fan­ge ich, wie aus dem nichts, an zu wei­nen. Nein ich wei­ne nicht, es ist ein aus­ge­wach­se­ner Heul­krampf. Sat­te 10 Minu­ten lang, kann ich mich nicht beru­hi­gen. Irgend­wann mal kreuzt sich der Heul­krampf mit einem Lach­an­fall usw.

Die Gefüh­le fah­ren Ach­ter­bahn, man kann nichts trin­ken, was über­haupt nicht schlimm ist, weil man sich eh stän­dig ver­ka­tert fühlt, man rennt alle 10 Minu­ten auf Klo, man nimmt zu, obwohl es viel­leicht noch gar nicht so sein soll­te. Irgend­wann sagen einem alle, dass es alles nor­mal ist, und voll­kom­men ok. Aber solan­ge ich es kei­ner weiß, hält mich die Welt immer mehr für einen Ali­on. Aber ich glau­be es gibt nichts schö­ne­res, und ich freue mich über alles.

24. Januar 2018 von Tati
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